Goodwood Festival of Speed

Dünne, leicht buckelige Asphaltbänder schlängeln sich durch die kleinen Wälder und satt grünen Wiesen des Anwesens von Charles Gordon-Lennox, Earl of March und Kinrara. Der Hauch englischen Adels schwebt deutlich spürbar über Goodwood, an diesem Wochenende dringt jedoch nicht der Klang von Hörnern und das Gebell der Meute einer Jagdgesellschaft durch die Bäume. Stattdessen zerreißt das Brüllen hochgezüchteter Motoren den vornehmen Charakter der Szenerie. Das Goodwood Festival of Speed tobt über die privaten Rennstrecken des großzügigen Geländes in West-Sussex.

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Auf dieser britischen Gartenparty wird SuperPlus serviert, die Kellner tragen ölverschmierte Hände und ein breites Grinsen der Zufriedenheit vor sich her. Die Gäste erschauern von Glück und Ehrfurcht, ob der fantastischen Fahrzeuge, die den Asphalt und die Schotterstrecke zum Beben bringen. Und der Geist des „God of Speed“ erfüllt in diesen Tagen wirklich jeden Winkel. Seit 1993 lädt Lord March jährlich zum Goodwood Festival of Speed. Hier wird wahre Leidenschaft zelebriert. Im Rausch der Geschwindigkeit wird der Verbrennungsmotor in all seinen Darreichungsformen geehrt, gefeiert und gefordert. Es ist eine Hommage an die vielfältige Historie wagemutiger Rennfahrer und an die fantastischen Leistungen großartiger Ingenieure.

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Die 1,16 Meilen kurze Bergstrecke führt mit mächtigen Kurven direkt vor dem Herrenhaus entlang, dahinter erstreckt sich das offene Fahrerlager und unzählige Pavillons und Erlebnisstände der Automobilhersteller säumen den inneren Bereich des Kurses. An diesem Wochenende braucht es nur einen einzigen Funken, um das Benzin in den Adern der Gäste und Besucher zu entzünden und so ein wahres Feuerwerk an Leidenschaft und Hingabe losbrechen zu lassen.

Die Darbietungen reichen von den glorreichen Anfängen des Motorsports bis in die wunderbare Zukunft. Über einhundert Jahre alte Rennwagen jagen ebenso erbarmungslos über den schwierigen Parcours in Goodwood, wie visionäre Konzeptfahrzeuge mit innovativen Antrieben. Jeder quietschende Reifen, jede Fehlzündung und selbst die wenigen Einschläge in die Heuballen werden frenetisch vom Publikum gefeiert. 

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Das erbarmungslose Kreischen von Zweitaktern wird vom dumpfen Grollen mächtiger Achtzylinder abgelöst, gefolgt vom infernalischen Geschrei hochgezüchteter Zwölfzylinder, die wiederum von knatternden Einzylindern abgelöst werden. Über allem zerreißen die Jets der Flugshow die Geräuschkulisse und lassen die Motorräder und Autos nahezu brav und leise wirken. Hier wird Geschichte bewegt, vorgeführt und geschrieben. Lord March und Sir Stirling Moss jagen gemeinsam in einem Mercedes-Benz W196 und seinem Streamliner Pendant über die Strecke. Jay Kay, der Sänger der Band Jamiroquai und bekannter Petrolhead ist mit seinem knallgrünen Ferrari La Ferrari auf dem Parcours unterwegs und der Profi-Drifter Mad Mike Whiddett fährt von Start bis Ziel quer mit seinem Boliden. Rennfahrerlegende Roland Asch zerlegt seinen Mercedes-Benz 500 SL Rallye, um am nächsten Tag mit dem stark lädierten Wagen erneut an den Start zu gehen. Zwischendrin und drumherum rasen aufregende Konzeptfahrzeug und einzigartige Traumwagen über den Asphalt – es entsteht ein Gemälde aus tausenden PS, das nach verbranntem Gummi und Kraftstoff duftet.

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Schon die Parkplätze des Festival of Speed sind einen Ausflug wert. Hier stehen polierte Supersportwagen neben verbeulten Kompaktfahrzeugen mit mehr oder weniger sinnvollen Umbauten, deutsche Oberklasse-Limousinen werden von sorgfältig restaurierten Klassikern flankiert und alle erdenklichen Arten von Motorrädern und Mopeds füllen die Lücken. Die Verbindung zwischen diesen Gegensätzen ist die Liebe zum Motorsport und die Leidenschaft für die Geschwindigkeit. Der Herzschlag ist längst den vier Takten eines Verbrennungsmotors gewichen und das sprichwörtliche Benzin im Blut kann man deutlich riechen. Alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen feiern jede einzelne Fehlzündung beim Runterschalten vor den Schikanen, sie genießen das Mark erschütternde Kreischen hochgezüchteter Rennmotoren auf den wenigen Geraden und sie jubeln bei den zahlreichen Show-Einlagen der Fahrer.

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Die offenen Paddocks sind allerdings zweifellos das absolute Highlight. Hier stehen Millionenwerte, die von tausenden PS angetrieben werden. Rennfahrer-Legenden drehen ihre Runden über die Strecke und durch die Boxengassen. Das ist Motorsport zum anfassen und das Publikum weiß das zu schätzen.

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Bis heute ist der Streckenrekord von Nick Heidfeld ungebrochen. 1999 brauchte er in seinem McLaren-Mercedes MP4/13 nur 41,6 Sekunden bis zum Ziel der Bergstrecke. In diesem Jahr haben es gerade einmal sieben Fahrer in weniger als 50 Sekunden geschafft und so wird dieser Rekord sicher noch eine Weile bestehen bleiben. Allerdings nimmt es auch nicht jeder Starter so furchtbar ernst mit dem Rennen. Burnouts und Drifts, Feuer speiende Auspuffrohre und irre Stunts sind immer wieder eine willkommen Abwechslung für das jubelnde Publikum und gehören ebenso zum Festival of Speed.

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Das Dröhnen der Motoren im Ohr und mit dem leicht süßlichen Geschmack von verbranntem Gummi auf der Zunge ist der Heimweg fast ein wenig enttäuschend. Das Goodwood Festival of Speed Wochenende des kommenden Jahres ist jedenfalls rot im Kalender angestrichen.

Noch mehr Fotos des Festival of Speed finden Sie auf unserer Facebook Seite.

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Fotos: Teymur Madjderey für Heldth


Mit freundlicher Unterstützung von Mercedes-Benz.