Was ist jetzt eigentlich mit diesem Gefühl?

In meinen Gedanken habe ich mir Motorrad fahren immer wahnsinnig aufregend und beflügelnd vorgestellt. So unfassbar groß, dass man erst die passenden Worte dafür erfinden müsste und dieses Gefühl dann noch immer nicht ausreichend perfekt beschreiben könnte.

Natürlich fühlte es sich schon ziemlich gut an, die BMW F 700 GS in die Kurven zu werfen, am Gasgriff zu drehen und die Beschleunigung des Zweizylinders zu spüren. Zweifellos war es ein beeindruckender Moment, zum ersten Mal die 100 km/h Marke zu knacken und den Druck des Windes auf dem Brustkorb zu spüren. Aber irgendetwas fehlte bisher noch, um die grenzenlose Begeisterung eines jeden Motorradfahrers zu verstehen und teilen. Habe ich Motorrad fahren womöglich nicht richtig verstanden? Habe ich vielleicht zu viel erwartet?

Die BMW R nineT steht im kühlen Dunkel der Tiefgarage, der Schlüssel liegt auf dem Tisch und es beginnt in den Fingern zu jucken. Der kleine Darth Vader Schlüsselanhänger passt irgendwie perfekt zur schwarzen Maschine, die dunkle Seite der Macht ist verlockend und es ist höchste Zeit, sich hinreißen zu lassen. Schließlich kann es das einfach noch nicht gewesen sein.

Die Sachen sind schnell gepackt – zwei T-Shirts, die Zahnbürste, ein paar Kleinigkeiten die man beim Campen gut gebrauchen kann und der Schlafsack wandern in den wasserdichten Rucksack. Die MotoRoamer ist in den letzten Wochen zur bequemen zweiten Haut geworden und wird nun ihre Langstreckentauglichkeit beweisen. Die schwarze Lederjacke und der Helm von BMW fühlen sich ebenfalls längst vertraut an. In den nächsten sechsundzwanzig Stunden wird sich zeigen, was wirklich hinter der viel gelobten Faszination Motorrad steckt.

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Drei Freunde, drei BMW Motorräder, ein paar hundert Kilometer und eine Nacht am Strand. Die Jungs wissen genau, dass ich zwar Motorrad fahren darf, Motorrad fahren aber noch nicht erlebt habe. Die dauerhafte Anwesenheit des Korrekturen und Hinweise gebenden Fahrlehrers, die angespannte Konzentration wirklich alles richtig und bestmöglich zu machen – der Kopf war in den vergangenen Wochen nie wirklich frei und so kam es nie zum puren Genuss, der berühmten Freiheit auf zwei Rädern.

Die Boxermotoren dröhnen durch die Häuserschluchten. Wir schießen von Ampel zu Ampel und das Grinsen lässt sich nicht mehr aus dem Gesicht wischen. Wir folgen den Spuren von Dennis Hopper und Peter Fonda, aber wir sind zu dritt und wir werden am Ende nicht sterben. Die Stadtgrenze liegt mittlerweile hinter uns, das Grau das Asphalts wird von der Sonne aufgeheizt, am Himmel jagen Wolken mit uns um die Wette und die Alleen werden nur von kleinen Orten zerrissen. Der Fahrtwind fühlt sich wie ein guter Freund an, das Knattern der Auspuffrohre springt über eine riesige Bandbreite von Tönen, wir werfen die Maschinen rhythmisch nach links und rechts und plötzlich fehlen die richtigen Worte, um dieses Gefühl zu beschreiben. Denn da ist es. Das ist der Teil, von dem immer alle sprechen. William Shakespeare hat angeblich einfach alle Wörter erfunden, die ihm für seine Sprache gefehlt haben und ich kann nicht mehr, als ein paar rudimentäre Laute mit dem Mund formen, der gerade von einem Ohr zum anderen grinst.

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Das Ziel des Tages ist klar definiert und doch folgen wir einfach unserem Gefühl und lassen uns auf die kuriosesten Umwege ein. Nur nicht aufhören zu fahren, alles andere spielt keine große Rolle. Die Ortschaften werden immer kleiner, die Landschaft wird flacher und der Himmel immer weiter. Die Sonne schickt sich an, den Tag in ihrem warmen Licht zu ertränken und mit einem Dreh am Schlüssel erstirbt das mittlerweile so vertraute Geräusch der Boxer. Der akustische Ersatz kann sich allerdings ebenfalls hören lassen, denn hinter dem kleinen Kiefernwald rauscht das Meer. Das Camp für die Nacht ist schnell errichtet, ein Tarp spannt sich über unsere Habseligkeiten in den Dünen und wir sind längst am Strand. Die Gesprächen über dies und das werden vom kreisenden Flachmann begleitet. Das Surren der Reißverschlüsse von drei Schlafsäcken ist das vorletzte Geräusch an diesem Abend, dann wiegt uns das beruhigende Rauschen der Ostsee in den Schlaf.

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Die Nacht ist kurz und die gerade aufgehende Sonne bestätigt die vorsichtigen Schätzungen der Uhrzeit. Wir packen unsere Sachen zusammen, albern herum und landen in einer kleinen Bäckerei, um zu frühstücken. Leicht zerknautscht, mit frisch geputzten Zähnen und jeder Menge Sand an den überraschendsten Körperstellen wird wieder alles auf den Motorrädern verstaut. Zündung an, Start.

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Wir fahren zurück nach Hause, wieder liegen ein paar hundert Kilometer vor uns und wieder stellt sich das Glücksgefühl ein. Fahren um des Fahrens Willen. Wind und Motorengeknatter, die immer neuen Gerüche und die fehlenden Worte, um Motorradfahren jetzt mal ganz richtig beschreiben zu können. Vielleicht sollte man es einfach selbst ausprobieren, wenn man wirklich wissen möchte, wie grandios es sich anfühlt.

Alle Fotos zu unserer Motorradtour ans Meer finden Sie auf unserer Facebook Seite.

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Teil 1: Von einem, der auszog, das Fahren zu lernen
Teil 2: Auf der Suche nach der großen Freiheit
Teil 3: Von frisch gebackenen Bikern und Berliner Boxern

Fotos: Tim Adler für Heldth


Mit freundlicher Unterstützung von BMW MotorradFahrschule Herberg und Pike Brothers.