Die spektakulärsten Elektro-Sportwagen aus der Vergangenheit

Wenn es um stylische und zugleich schnelle Elektroautos geht, kommt einem vermutlich zuerst Tesla in den Sinn. Die Firma aus Kalifornien bewies 2006 mit ihrem Tesla-Roadster, dass E-Autos tatsächlich aufregend aussehen und sportlich sein können. Der zweisitzige Elektro-Sportwagen, den Tesla damals zusammen mit AC Propulsion und Lotus auf die Straße brachte, war der Beginn einer Revolution in der Automobilbranche ein. Denn der Wagen, dessen Look sich stark am Lotus Elise orientierte, sah nicht nur sportlich aus. Mit seinem 292 PS starken Elektromotor konnte der Flitzer jedem Porsche beim Ampelsprint die Rücklichter zeigen.

Doch was war eigentlich vor der Tesla-Ära? Die Idee vom rein elektrisch angetriebenen Sportwagen gab es natürlich schon viel früher. Die ersten Prototypen wurden Jahrzehnte vor dem ersten Tesla gebaut. In einer Zeit vor Social Media, Live-Streams und Online-News-Feeds wurde ihnen oftmals nicht die gleiche Publicity zuteil, den die heutigen E-Sportwagen bekommen. Wir haben mal nach den Vorfahren des legendären Tesla Roadsters gesucht und die fünf spannendsten Konzepte zusammengetragen.


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SsangYong CCR-1 – Der perfekte Stadtsportwagen

Diese koreanische Interpretation eines sportlich anmutenden Großstadt-Flitzers war das erste Fahrzeug mit jeweils einer großen Flügeltür für den Einstieg hinten und vorne. Vorgestellt wurde das Concept-Car 1995 auf der Seoul Motor Show. 200 Kilometer Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h waren zu dieser Zeit durchaus beeindruckende Werte. Die leichte Konstruktion, bestehend aus einem Aluminium-Rahmen und einer Fiberglas-Karosserie, war maßgeblich für diese Werte.

Optisch eher unaufällig punktete der CCR-1 vor allem mit seinen inneren Werten, wie der Reichweite und seinem geräumigen Innenraum. Alles in allem ein Fahrzeug mit hohem Alltagsnutzen.

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Die nackten Zahlen
50 PS, 196 Nm, Beschleunigung: k.A., Vmax: 120 km/h, Reichweite: 200 Kilometer, Erscheinungsjahr: 1995

 


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Eliica – Ein echter Porsche-Killer

Von einem anderen Kaliber ist dieser Kandidat. Das Geschoss auf acht Rädern beschleunigt schneller als ein Porsche 911 Turbo des gleichen Baujahrs. Entwickelt von einem Team der Keio University in Tokio wurde dieser Prototyp namens Eliica das erste Mal 2004 der Öffentlichkeit präsentiert.

Der leitende Professor Hiroshi Shimizu war der Meinung, dass die gängigen Vorurteile gegenüber Elektrofahrzeugen nur entkräftet werden können, wenn die Fahrleistungen der schnellsten Verbrennungsmotor-Modelle übertroffen oder zumindest erreicht werden. Entwicklungsziel waren deshalb sagenhafte 400 km/h Spitze. Bei entsprechenden Tests erreichte das Ungetüm immerhin 370 km/h. Jedes der acht Räder wird von einem rund 81 PS starken Elektromotor angetrieben. Das Team um Professor Shimizu bewegt den Eliica auch heute heute noch regelmäßig im Straßenverkehr.

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eliica

Die nackten Zahlen
648 PS, 100 Nm pro Rad (800 Nm gesamt), 4 Sekunden von 0 auf 100, Vmax: 370, Reichweite: 320 km, Erscheinungsjahr: 2004

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Bradley GTE – Das elektrische Möchtegern Muscle Car

Ganze 20 Jahre vor der Präsentation des Eliica brachte das amerikanische Unternehmen Bradley Automotive ihren ersten Elektro-Sportwagen auf den Markt – den Bradley GTE. Das Chassis des Wagens war das eines VW Käfers. Die glasfaserverstärkte Kunststoff-Karosserie und die Flügeltüren verwandelten die unscheinbare Basis in einen stylischen Sportwagen im klassischen Muscle Car Look.

Statt eines hubraumstarken Spritfressers verbirgt sich unter der geschwungenen Motorhaube des Bradley GTE ein lautloser Elektromotor. Sechzehn miteinander verbundene 6-Volt Batterien mit einer Gesamtleistung von 96 Volt lieferten die nötige Energie für den Vortrieb. Über einen Schalter konnte Fahrer zwischen zwei Fahrmodi wechseln – den “Cruise-Mode” mit 48 Volt und den “Boost-Mode” mit der vollen Batterie-Leistung. Im Boost-Mode beschleunigte der Wagen in 8 Sekunden von 0 auf 50 km/h. Die Optik versprach also deutlich mehr, als die Technik zu leisten vermochte. Dank seines durchaus coolen Designs sind den wenigen noch existierenden Bradley GTE allerdings auch heute noch anerkennende Blicke garantiert.

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Die nackten Zahlen
21 PS, Drehmoment: k.A., 8 Sekunden von 0 auf 50, Vmax 120 km/h (Boost Mode), Reichweite: unbekannt, Erscheinungsjahr: 1980





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Bertone Blitz – Italienisches Design und eine fortschrittliche Vision

“Seiner Zeit voraus” – das beschreibt dieses Fahrzeug aus dem Jahr 1992 ganz treffend. Der Blitz war eine Kreation des italienischen Unternehmens Bertone, das auf das Design und die Herstellung von Autokarosserien spezialisiert ist. Zwei Sitze, kein Dach, keine Türen, und ein äußerst futuristisches Design. Selbst heute wirkt der Bertone Blitz noch immer wie ein Fahrzeug aus der Zukunft.

Bemerkenswert ist sein geringes Gewicht von gerade einmal 650 Kilogramm. Allein die verbauten Batterien hatten ein Gesamtgewicht von 260 Kilogramm, was auf eine enorm gewichtsreduzierte Bauweise schließen lässt. Zwei jeweils 36 PS starke Elektromotoren erledigten den Sprint von 0 auf 100 in sechs Sekunden. Bertones Vision lautete: Elektro-Autos müssen optisch attraktiver gestaltet werden, um nicht mehr nur als Nischenprodukte wahrgenommen zu werden. Mit genau diesem Konzept ist Tesla heute so erfolgreich.

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Die nackten Zahlen
72 PS, 94 Nm, 6 Sekunden von 0 auf 100, Vmax: 129 km/h, Reichweite: 100 bis 130 km, Erscheinungsjahr: 1992

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AC Propulsion tzero – Das knallgelbe Kraftpaket

Der wahrscheinlich nächste Verwandte des Tesla Roadsters ist der AC Propulsion tzero. Entwickelt und gebaut vom amerikanischen Unternehmen AC Propulsion, wurde dieser elektrische Sportwagen 1997 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Basis des Wagens ist ein Gitterrahmen, der die Roadster-Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunstoff trägt.

Der tzero war mit zwei unterschiedlichen Batterievarianten erhältlich, die sich jeweils deutlich auf das Gewicht auswirkten. In der Version mit Blei-Glasvlies-Akkus brachte der Wagen stolze 1.134 kg auf die Waage und hatte eine Reichweite von etwa 130 km. Mit einem Satz Lithium-Ionen-Akkus sank das Gewicht auf 894 kg, während die Reichweite auf bis zu 480 km anstieg. Weniger Gewicht und mehr Reichweite? Das spricht natürlich erst einmal für die Lithium-Ionen-Akkus. Dafür waren die Blei-Glasvlies-Akkus allerdings weniger empfindlich auf Überladung und Tiefenentladung, zudem waren sie natürlich auch günstiger. Der Motor beeindruckte mit circa 300 PS.

Mit dem Ziel die Überlegenheit der Elektroautos von AC Propulsion zu demonstrieren wurde der tzero regelmäßig gegen Sportwagen mit Verbrennungsmotoren auf Viertelmeile-Rennen geschickt. Bei einer Beschleunigung von von 0 auf 100 in knapp 4 Sekunden hatte der gelbe Blitz stets gute Karten gegen seine Konkurrenten.

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Die nackten Zahlen
ca. 300 PS, 225 Nm, 4,07 Sekunden von 0 auf 100, Vmax: 160 km/h, Reichweite: 130 bis 480 Kilometer, Erscheinungsjahr: 1997

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E-Drive Retro – Aus der Vergangenheit in die Zukunft

Die finnische Firma E-Drive Retro macht aus Stilikonen der Vergangenheit umweltfreundliche High-Performance Oldtimer. Der coole Look bleibt erhalten, die Verbrennungsmotoren und der komplette Antriebsstrang werden allerdings durch neueste Elektromotoren-Technik ersetzt.

Aktuell bietet E-Drive Retro neben individuellen Umbauten aber auch ein eigenes Fahrzeug an. Basierend auf einem MGA Roadster können die Kunden aus drei Varianten wählen. Das Vintage-Paket ist für alle, die Wert auf einen möglichst originalen Look legen. Das Sport-Paket besticht mit aufgewertetem Interieur und einem deutlich sportlicheren Fahrerlebnis mittels Tuning über die Software. Das Touring-Paket ist auf maximalen Komfort und eine möglichst große Reichweite ausgelegt.

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Die nackten Zahlen
143 PS, 390 Nm, 0 auf 100: k.A., Vmax: k.A., Reichweite: k.A.

Das (beinahe) unumstößliche Fazit

Elektromobilität und Sportlichkeit schließen sich nicht aus, das beweisen diese grundverschiedenen Konzepte und Kleinserien auf eindrückliche Weise. Heute sind wir mit dieser Erkenntnis sogar schon viel weiter. SEAT hat den Boliden für die E-TCR Rennserie vorgestellt. Volkswagen hat mit dem I.D. R Pikes Peak einen brutalen Bergrenner konzipiert. Tesla hat eine Neuauflage des Roadsters angekündigt. Und auch sonst tut sich sehr viel in dieser Nische, die beinahe wöchentlich ein gutes Stück wächst und somit immer mehr zum Alltag wird.

Wer nicht erst darauf warten will, dass Elektro-Sportwagen zum Alltag gehören, sondern schon jetzt Spaß an schnellen E-Antrieben genießen möchte, sollte sich vielleicht mal die Formula E ansehen. Das ist durchaus spannend und wegweisend.

Fotos: Audi, Eliica, Bradley, Bertone, AC Propulsion, E-Drive Retro